Quietschies - ein reflektorisches Verhalten wird abtrainiert

von Barbara Schreinzer

Sie kennen das sicher: Der Welpe wird ungeduldig erwartet und neben Körbchen, Futternapf, Decke, Leine usw. gibt’s als Einstandsgeschenk ein, zwei oder auch mehrere Spielsachen. Das Angebot ist ungeheuer groß und man weiß gar nicht, mit welchen man seinem Welpen am meisten Freude machen kann. Wie wärs mit einem tollen Quietschie egal ob die Wurstsemmel vom Rex, der ultraviolette Knochen oder Garfield für Hunde? Alles gibt es, natürlich bissfest - oder doch nicht?

Und so hat unser neuer Hausgenosse - nachdem er sich ein bisschen häuslich eingeschnüffelt hat - seine erste Spiellektion. Bällchen wird geworfen, Welpe läuft hinterher und beißt rein- verwundertes innehalten- das hat ja gequietscht! Papa, Mama und die Kinder kreischen vor Vergnügen, der Ball wird wieder geworfen und das Hundchen läuft wieder hin – hineingebeissen - innehalten. Auffordernd spielen die neuen Hundeeltern nun selbst es wird gequietscht, der Ball wird hin und herbewegt und wenn der Welpe dann wieder ordentlich zubeißt wird er überschwänglich gelobt. Bald ist das Quietschie das liebste Spielzeug, da kann man auch alleine so toll spielen, hoch in die Luft werfen, schütteln und beuteln und es gibt immer so tolle Töne von sich.………

Der nun ausgewachsene Hund trifft einen Welpen und beschnuppert ihn neugierig, der Welpe unterwirft sich, lässt ein Lackerl er wird weiter beschnüffelt, mit der Nase angestupst. Dem Welpen ist das zu viel, er will weg und winselt und quietscht dabei in höchsten Tönen. Und da: Der Hund „spielt” Quietschie- er packt es und schüttelt es, er wirft es in die Luft und beutelt es ordentlich durch. Doch dieses „Quietschie” ist ein Welpe und unser erwachsener Hund spielt- ein unter Umständen tödliches - Spiel mit ihm.

Der Hund ist nicht „böse” oder „aggressiv”, es wurde ihm ein Verhalten, das an sich in der ersten Zeit seines Daseins bereits im Welpenrudel antrainiert wird, nämlich SOFORT AUFZUHÖREN, wenn beim zu groben Spiel gequietscht wird (dafür sorgt unter Umständen auch die Mutterhündin indem sie ins Spiel eingreift und schlichtet) ABTRAINIERT: Zuerst durch das lobend-bestätigende Verhalten der Besitzer und dann durch die Selbstbelohnung bei den Solitärspielen.

Auch mehrere im Familienverband an sich friedlich lebende Hunde können durch zuerst spielerischen „Raufhandel” um ein Quietschie plötzlich in eine emotionale Spannung geraten, die in der Folge zu einer ernsthaften Rauferei führt.

Aber das Schlimmste ist: Stellen Sie sich vor, vor einem mit Quietschie trainiertem Hund läuft ein KLEINES, KREISCHENDES KIND...................