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Impfen wir noch
zeitgemäß?
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Wie gestalten Sie Ihre Freizeit?
Wundern Sie sich nicht, wenn Ihnen Ihr Tierarzt Fragen zu Ihrem Alltagsverhalten
stellt. Die individuellen Bedürfnisse Ihres Hundes werden in einem tierärztlichen
Impfgespräch mit dem Hundebesitzer erfragt.
Ziel der Impfung:
Der Schutz des Menschen vor übertragbaren Krankheiten ist eines der
wichtigsten Ziele der Impfung. Hier steht vor allem die Tollwut im Mittelpunkt
des Interesses. Sie ist nach wie vor eine absolut tödliche Krankheit
bei Mensch und Tier. Das zweite Ziel des Tierarztes ist der maximale Schutz
des Einzeltiers vor Infektionskrankheiten bei minimalen Nebenwirkungen
und nicht zuletzt ist der Aufbau einer sogenannten „Herdenimmunität“ wichtig
zur Gesunderhaltung unserer Hundepopulation. Über 70 % aller Hunde
müssen
geimpft sein, um aus einem Seuchenausbruch keine Epidemie entstehen zu
lassen.
Die erste Impfung soll so früh wie möglich stattfinden um ein Infektionsrisiko
gering zu halten, aber so spät wie nötig um die mütterlichen
Antikörper auszuschalten. Die Grundimmunisierung ist die wichtigste
Immunisierung des Hundes. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass eine Wiederholungsimpfung
in der 16. Lebenswoche für einen ausreichenden Populationsschutz notwendig
ist, denn nur 70 % der Hunde die nach dem bisher üblichen Schema geimpft
wurden haben nach der 14. Woche einen ausreichenden Impfschutz. Um auch die
restlichen 30 % zu schützen, ist eine Wiederholungsimpfung in der 16.
Woche von Nöten. Haltungsbedingungen und der Verwendungszweck von Hunden
müssen Einfluss nehmen auf das jeweils maßgeschneiderte Impfregime.
Für Problembestände müssen Impfkonzepte erarbeitet werden,
die der jeweiligen Infektionslage entsprechen.
Meine Empfehlung lautet:
6. Lebenswoche: Staupe, Parvovirose
8. bis 9. Lebenswoche: Staupe, Parvovirose, HCC, Leptospirose, Zwingerhusten,
12. bis 13. Lebenswoche: Staupe, Parvovirose, HCC, Leptospirose, Zwingerhusten
ab der 16. Lebenswoche: Staupe, Parvovirose, HCC, Leptospirose, Zwingerhusten,
Tollwut
Die Impfung in der 6. Lebenswoche kann entfallen, wenn die Haltungsbedingungen
dementsprechend sind und absolut kein Infektionsdruck vorhanden ist.
Züchtern,
die häufigen Besuch zB von Welpenkäufern haben ist jedenfalls eine
Imfpung in der 6. Lebenswoche anzuraten.
Die früher vorherrschende Meinung, dass Einzelkomponentenimpfstoffe
einen besseren Impfschutz bewirken, läßt sich durch neueste Studien
nicht aufrecht erhalten.
Die Grundimmunisierung ist erst mit einer Wiederholungsimfpung im 16./17.
Lebensmonat abgeschlossen.
Ist ein Hund nach obigem System geimpft, sollten bis zwei Wochen nach
der zweiten Impfung Risikoplätze gemieden werden (Hundezone, Beserlpark,
Hundespielwiesen etc). Eine gut geführte Welpenspielgruppe, in der alle
Hunde dem Alter entsprechend ordnungsgemäß nachvollziehbar geimpft
sind, ist meines Erachtens nicht zu Risikoplätzen zu zählen.
Die Zahl der beobachteten Nebenwirkungen ist beim Hund vernachlässigbar
klein, sodass nach wie vor eine jährliche Wiederholungsimpfung gegen
die klassischen Infektionen des Hundes zu vertreten ist.
Abschließend möchte ich nochmals darauf hinweisen, dass das individuelle Impfgespräch unbedingt notwendig ist, um die spezifische Situation des Tieres zu eruieren und so einen maßgeschneiderten Impfplan zu erstellen. Für entsprechende Anfragen stehe ich Ihnen gerne auch per e-mail zur Verfügung.
Dipl. Tierarzt Eva Müller
Quelle:
Friedrich und Truyen 2000, Der praktische Tierarzt 81, Seite 988
bis 994
Verbancic et al 2002, Der praktische Tierarzt 83, Seite 866 bis
872
Marian C. Horzinek, Bilthoven, Niederlande
